Making of


1997: Die Entdeckung des Great Pacific Garbage Patch

Captain Charles Moore traf mit seinem Segelschiff Alguita 1997 auf ein erschreckendes Phänomen, über welches viele Wissenschaftler erst vage Vermutungen angestellt hatten. Der studierte Chemiker stiess auf einer Abkürzung durch die Rossbreiten zwischen Hawaii und Los Angeles mitten im Ozean auf eine gigantische Ansammlung von schwimmendem Plastikabfall. Wie sich herausstellte, waren die an der Wasseroberfläche treibenden Flaschen, Deckel, Tüten und Waschmittelkanister aber bloss die Spitze des Eisbergs.

Mehr zum Plastikmüllstrudel

 

2009: Die Idee zur Ausstellung

Wir glauben uns alle in einer globalisierten Welt: Informationen und Aktualitäten werden dank Satelliten und Internet innert Sekunden über den ganzen Globus verteilt. Ganz anders verhält es sich bei einem der grössten ökologischen Probleme der Gegenwart: Die Vermüllung unserer Meere mit Plastik. Lautlos und unbemerkt haben sich über Jahrzehnte riesige Müllstrudel gebildet und erst 1997 wird der erste von Ihnen von Captain Charles Moore beschrieben. Im Sommer 2009 erscheint dazu der beeindruckende Artikel «Eine Ahnung von Apokalypse» in der Monatsbeilage NZZ Folio. Schlafen kann ich nach dessen Lektüre nicht mehr. Ich beschliesse dieser Katastrophe eine grosse Ausstellung zu widmen. Über das Ende des Designs und dem, was wir unseren Kindern hinterlassen werden. Eine Ausstellung zur Archäologie der Zukunft.
(Christian Brändle, Direktor Museum für Gestaltung Zürich)

Zum Artikel: Peter Haffner, «Eine Ahnung von Apokalypse», NZZ Folio 07/2009

 

2010: Archäologie der Zukunft

Als 2010 die zwei ersten Kisten voll Plastikschwemmgut für die geplante Plastikmüll-Installation in Zürich ankamen (gesammelt von der Beach Environmental Awareness Campaign Hawaii), befürchteten wir erst, unsere Testexponate könnten von Schimmel befallen sein. Doch die Sorge war umsonst. Das Salzwasser hatte gute Konservierungsarbeit geleistet.
Es ist eine erschreckende und zugleich faszinierende Vorstellung, dass unser Alltagsabfall jahrelang durch die Meere treibt und schliesslich an einem abgelegenen Strand in Hawaii angespült wird. Studierende der Vertiefung Scientific Visualization untersuchten diese skurrilen Zeugen unserer Zivilisation, als wären es archäologische Fundstücke. Die durch Wind, Wasser und UV zugefügten Verfallsspuren wurden so zu lesbaren Zeichen der weiten Reise eines Designobjekts am aufgeschobenen Ende seines Lebenszyklus.

Scientific Visualization

Zur Bildergalerie «Archäologie der Zukunft»
Studienvertiefung Scientific Visualization: vsv.zhdk.ch

 

September 2011: Wir wollen euren Müll!

Schon bald stellte sich die Frage, wie wir hier in der Schweiz die nötige Menge an Plastikschwemmgut für die geplante Installation auftreiben können. Die Lösung war eine Kooperation mit Project AWARE. Die internationale Taucherorganisation setzt sich weltweit für den Schutz von Haien und gegen die Verschmutzung der Meere ein. Auf der Taucherplattform «MyOcean» werden regelmässig «Dives Against Debris» ausgeschrieben. Als  im September 2011 der grosse Aktionsmonat stattfand, forderten wir die Taucher auf, uns die gesammelten Plastikstücke zu senden.
Die Kaho’olawe Island Reserve Commission auf Hawaii beschloss, uns das Resultat der Sammelarbeit während vier Tagen von 30 Freiwilligen zu senden. Hawaii ist aufgrund seiner Lage inmitten der Nordpazifischen Strömungen dem Plastikschwemmgut besonders stark ausgesetzt. Da  Kaho’olawe eine unbewohnte Insel ist, veranschaulicht die gesammelte Menge an Plastikmüll das Problem umso besser: 4,6 Tonnen!

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Video vom Kaho'olawe Cleanup anschauen
Maui Weekly über das Kaho'olawe Cleanup

 

Oktober 2011: Plastiksammeln rund um die Welt

Doch nicht nur Hawaiis Strände werden schleichend plastifiziert. Die Vermüllung von Meeren und Stränden ist ein globales Problem. Unterdessen gibt es zahlreiche engagierte Personen und Vereinigungen, die unter unterschiedlichen Namen regelmässig Säuberungen an Stränden oder im Wasser durchführen. Einige von ihnen schickten uns ihr gesammeltes Plastik: der NABU von der Ostsee, ein balinesischer Surfclub vom Indischen Ozean und die Naturschutzgemeinschaft Sylt mit dem Surf Club Sylt von der Nordsee.

Zur Bildergalerie der Sammelaktionen auf Fehmarn, Sylt und Bali
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November 2011: Das Museum sammelt mit

Aber auch im Alltag sammelt sich eine beträchtliche Menge an meist unnötigem Plastik an. Selbst wer alle PET und HDPE Flaschen zum Recycling bringt und statt Plastiktüten Baumwolltaschen zum Einkaufen mitnimmt kann sich dem nicht entziehen. Gemäss Angaben des Bundesamtes für Umwelt verbraucht jeder Schweizer jährlich etwa 120 Kg Kunststoff – dies liegt 30% über dem westeuropäischen Durchschnitt. Wir haben unseren persönlichen Plastikmüll über Monate hinweg gesammelt – die anfallende Menge ist beeindruckend. Das Resultat dieser Sammelaktion ist ebenfalls in der Ausstellung zu sehen.

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Dezember 2011: Drosos Stiftung wird Projektpartner

Im Dezember 2011 gewann das Plastikmüll-Projekt mit der Drosos Stiftung einen engagierten Projektpartner. Die Stiftung fördert Fähigkeiten und schafft Lebensumstände, welche es den Menschen ermöglichen, der Verantwortung für sich, für den Anderen und für die Umwelt gerecht zu werden. Das geplante Vermittlungsprogramm unterstützt diesen Grundgedanken. Zusätzlich erlaubt die Partnerschaft die Zürcher Ausstellung offiziell zu einer internationalen Wanderausstellung zu erweitern. Das Plastikmüll-Projekt kann somit in ganz Europa gezeigt werden. Ein grosser Gewinn für das Projekt und auch für unsere Meere!

Mehr zur Drosos Stiftung
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Januar 2012: Die Szenografie entsteht

Eine Ausstellung mit einer riesigen Plastikmüll-Installation, die durch ganz Europa touren soll – keine geringe Herausforderung für eine Ausstellungsarchitektur. Noch schwieriger wird die Aufgabe, wenn das Ganze im Sinne des Projektes möglichst ökologisch sein soll.
Der Zürcher Szenograf Alain Rappaport entwarf eine modulare Ausstellungsarchitektur, die auf leichten, klappbaren Palettrahmen aufbaut. Für den Transport können die Objekte der Installation dann in diesen Palettrahmen verstaut werden. Die Bildsprache verweist auf den Spannunsraum zwischen Floss und Supermarkt.

Ein Blick in die Ausstellung


Februar 2012: Ein Container voll Müll aus Hawaii

Von Kahului durch den Panamakanal über den Atlantik und den Rhein hoch und schlussendlich bis nach Zürich: Im Februar 2012 erreichte uns nach monatelanger Schiffsreise die kostbare Fracht aus Hawaii. Nach grossem logistischem Aufwand, voraussehbaren Schwierigkeiten bei der Einfuhr und einigen Bedenken bezüglich des Zustands des Mülls konnte der Container endlich geöffnet werden. Unglaublich, was die Freiwilligen alles vom Strand der unbewohnten Insel in Hawaii aufgesammelt haben. In speziellen weissen Säcken fanden sich auch Plastikobjekte, die Spuren von Haiattacken aufweisen.
Die 4,6 Tonnen Plastikmüll wurden in aufwändiger Handarbeit in einen bereitgestellten Container umgeladen, in dem die Ausstellung später auch durch Europa touren wird.

Zur Bildergalerie der Mülllieferung aus Hawaii

Juni 2012: Der Aufbau der Ausstellung

Ab Mitte Juni wurde die Ausstellung aufgebaut. Zuerst wurde ein Teil der Wände eingebaut, dann der Plastikmüll in die Halle gebracht und als sich der Staub wieder etwas gelegt hatte, schliesslich die Exponate platziert.
Das absolute Highlight war ganz klar das Entpacken und Verteilen des Strandguts aus Hawaii. Mit Handschuhen und Atemschutz wurden die etwa drei Tonnen Plastikmüll von Hand ins Mittelschiff der Ausstellungshalle gekippt. Dabei wurden allerlei bizarre Plastikobjekte gefunden, die teilweise aussortiert und speziell ausgestellt wurden.

Den Aufbau der Ausstellung im Zeitraffer anschauen
Zur Bildergalerie des Aufbaus

3. Juli 2012: Die Vernissage

Am Dienstag, 3. Juli 2012 war es dann endlich soweit: die Ausstellung wurde eröffnet. Nach einer Begrüssung durch die Zürcher Regierungsrätin Regine Aepli und Stefan Kraft von der Drosos Stiftung, führten Christian Brändle, Direktor und Kurator, und Angeli Sachs, Kuratorin Museum für Gestaltung Zürich, in die Ausstellung ein.
Die Absicht, die Besucher mit der Wucht der Masse an Plastikmüll zu erreichten war erfolgreich. Die Botschaft der zentralen Installation ist eindeutig.

Zur Bildergalerie der Vernissage

Juli 2012: Das Labeling des Containers

Die Ausstellung wurde in Hinblick auf die internationale Tournee leicht und modular entworfen, damit alles in einem Container transportiert werden kann. Der Transportcontainer, der eigens für die Ausstellung angekauft wurde, stand seit Februar 2012 im Park vor dem Museum für Gestaltung Zürich. Nach der Ausstellungseröffnung wurde das rostige Aussehen des Containers etwas aufgefrischt. Mit Hilfe einer Schablone wurde ihm die Webadresse auf die beiden Längsseiten aufgesprayt – Der Container war damit offiziell gelabelt.

Das Labeling des Containers im Zeitraffer anschauen

Oktober 2012: Finissage und Abbau in Zürich

Wie sich schon bald zeigte, war die Ausstellung in Zürich ein grosser Erfolg. Die ursprünglich auf zwölf Wochen angelegte Laufzeit wurde deshalb um fünf Wochen verlängert. Als am Sonntag, dem 28. Oktober die Ausstellung dann definitiv schloss, konnte sie 35'779 Besuche verzeichnen.
In der folgenden Woche wurde die Ausstellung abgebaut und für die internationale Tournee vorbereitet. Dafür wurden alle Exponate in den Kisten verstaut, die zuvor als Ausstellungsarchitektur gedient hatten. Eine besondere Herausforderung war das Verpacken der riesigen Plastikmüll-Installation.

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