Zusatzstoffe


Zusatzstoffe im Plastik
Obwohl jeder Kunststoff spezifische Eigenschaften hat, lassen sich diese über das Herstellungsverfahren, durch das Blending mit anderen Polymeren oder durch das Beimischen von Zusatzstoffen, den sogenannten Additiven, beliebig modifizieren und den jeweiligen Bedürfnissen anpassen. Bei einigen der verwendeten Stoffe gibt es Bedenken bezüglich ihrer Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt. Als besonders problematisch gelten heute gewisse Phthalate (Weichmacher), Bisphenol A und verschiedene Flammschutzmittel. Einige dieser Stoffe sind unterdessen verboten, andere werden momentan im Rahmen der 2007 in Kraft getretenen REACH-Verordnung geprüft.
Da für Kunststoffe und die in ihnen enthaltenen Zusätze keine Deklarationspflicht besteht und die Materialzusammensetzung von den produzierenden Firmen geheim gehalten wird, ist es für Verbraucher/innen oft sehr schwierig, bedenkliche von unbedenklichen Produkten zu unterscheiden und praktisch unmöglich, die Einhaltung von Verboten oder Grenzwerten zu überprüfen.

Phthalate
Phthalate werden als Weichmacher, vor allem in PVC, meist in einem Anteil von 30 bis 35 Prozent eingesetzt. Das sonst harte und spröde Material wird auf diese Weise zu einem elastischen Weich-Kunststoff.
Weich-PVC und die in ihm enthaltenen Phthalate finden sich in vielen Produkten des täglichen Gebrauchs, zum Beispiel in Bodenbelägen, Tapeten oder Duschvorhängen, Farben und Lacken, Verpackungen und Kosmetika, in Sport- und Freizeitartikeln sowie in Babyartikeln und Kinderspielzeug. In der Bauindustrie wird der Stoff für Kabel, Leitungen oder Abdichtungen von Dächern, im Automobilbau für Unterbodenschutz, Dichtungen, Innenraumverkleidungen und LKW-Planen eingesetzt, und im medizintechnischen Bereich kommt Weich-PVC zum Beispiel in Infusionsbeuteln und -schläuchen oder der magensaftresistenten Verkapselung von Tabletten zur Anwendung.
Weichmacher sind im Kunststoff nicht fest gebunden und können ausdünsten oder sich im Kontakt mit Flüssigkeiten und Fetten lösen. Man vermutet, dass der grösste Teil der Abgabe von Weichmachern in die Umwelt während der Produktnutzung erfolgt. Dabei werden die Phthalate über die Nahrung, Speichel, Atemluft oder Haut aufgenommen, zudem lagern sie sich im Hausstaub an.
Wie das deutsche Bundesumweltamt feststellt, haben einige Phthalate fortpflanzungsgefährdende Eigenschaften, andere stehen im Verdacht, sich in der Umwelt anzureichern. Die EU hat mehrere Weichmacher als fortpflanzungsgefährdend eingestuft und für Babyartikel und Kinderspielzeug ein Anwendungsverbot erteilt.

Bisphenol A

Bisphenol A (BPA) ist eine Industriechemikalie, die in vielen Alltagsprodukten zu finden ist und deren Gefährlichkeit für Umwelt und Gesundheit seit Jahren kontrovers diskutiert wird. 2006 wurden weltweit 3.8 Millionen Tonnen produziert, ein grosser Teil davon in Europa. Es ist Hauptbestandteil bei der Herstellung von Polycarbonat und kommt unter anderem bei Gehäusen von elektrischen und elektronischen Geräten, Flaschen und Behältern für Nahrungsmittel, Compact Discs oder im medizinischen Bereich zum Einsatz. Ausserdem werden aus BPA Epoxidharze hergestellt, die als Lacke für Oberflächenbeschichtung oder als Innenbeschichtung für Getränke- und Konservendosen, Trinkkanister und Abwasserrohre dienen. Und in der dritten Variante wird BPA als Additiv für die Beschichtung von Thermopapier, bei der Verlangsamung der Alterung von PVC oder als Stabilisator in Bremsflüssigkeiten eingesetzt.
Bisphenol A ist ein Stoff mit hoher Mobilität und hormonartiger Wirkung. Die Chemikalie kann sich aus Gebrauchsgegenständen ebenso wie aus Beschichtungen lösen und gelangt so über die Nahrung oder die Haut in den menschlichen Körper, wo sie das Hormonsystem vermutlich schon in geringer Dosierung negativ beeinflusst. Risiken bestehen vor allem in Bezug auf Sexualität und Reproduktionsgesundheit, Diabetes, Übergewicht, Herz-Kreislauferkrankungen sowie geistige Entwicklung und Verhalten.
Obwohl europäische Behörden und auch die Schweiz die Unbedenklichkeit von Bisphenol A bei sachgemässer Verwendung betonen, schliessen andere Länder eine mögliche Gesundheitsgefährdung der Verbraucher/innen nicht aus und handeln lieber nach dem Vorsorgeprinzip. In den Jahren 2008/09 wurden Tests an Babyflaschen und Schnullern mit beunruhigenden Ergebnissen durchgeführt. In Kanada sind Babyflaschen aus BPA-haltigem Polycarbonat seit 2008 verboten und auch in der Europäischen Union gilt seit 2011 ein entsprechendes Verbot.

Plastik im Kinderzimmer

Bei Babys und Kindern, die sich in der Entwicklung befinden und mit den Objekten in ihrer Umgebung oft intensiv agieren, können Konsument/innen in Bezug auf die Verwendung von Materialien und Zusatzstoffen nicht vorsichtig genug sein. Produkte für Babys, Spielzeug für Kinder und die Einrichtung des Kinderzimmers sollten aus unbedenklichen Materialien bestehen und über anerkannte Prüfzeichen verfügen. Das CE-Zeichen bestätigt lediglich, dass das Produkt die wenig strengen europäischen Richtlinien erfüllt, besser sind geschützte Gütesiegel mit strengeren Auflagen, die allerdings von Land zu Land unterschiedlich sind. Unbedenkliche Produkte sind inzwischen oft entsprechend deklariert.
Vor dem Kauf sollten die Käufer/innen das Produkt überprüfen und dabei auf die Nennung und Herkunft des Herstellers, die Deklaration der Materialien sowie auf Fertigungsqualität, Stabilität und Geruchsneutralität achten. Wenig und qualitätvoll statt billig und viel ist ein guter Kompass.

Links:
REACH – Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe
European Food Safety Authority, Bisphenol A

Downloads:
Bundesamt für Gesundheit, CH, Factsheet Phthalate [pdf]
Richline 2011/8/EU zum Verbot von Bisphenol A in Babyflaschen [pdf]

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