Plastikmüll
Strudel


Der Mythos von Abfallinseln und Müllteppichen

Grossflächige hohe Konzentrationen von schwimmendem Plastikmüll im Nordpazifik sind als «The Great Pacific Garbage Patch» oder «der siebte Kontinent» bekannt geworden. Es handelt sich hierbei aber weder um Abfallinseln oder auf Satellitenbildern erkennbare Müllteppiche, sondern eher um unter der Wasseroberfläche treibende wolkenartige Konstellationen von Schwemmgut. Das schwimmende Material folgt komplexen Strömungswirbeln und wird, je nach Wetterlage, von der Wasseroberfläche in Tiefen von bis zu 30 Metern gespült. Bei stürmischer See sind generell fast keine Plastikobjekte auf der Meeresoberfläche zu sehen. Mit blossem Auge können von einem Schiff aus nur grössere Stücke wahrgenommen werden, und auch das nur bei geringer Fahrtgeschwindigkeit. Dies ist einer der Gründe, weshalb das Phänomen der Plastikansammlungen in den Meeren lange nicht entdeckt wurde.

John Papasian, John Bradley/The Independent, Out of sight, out of mind, 2008
Infografik
The Independent, London, UK

 

Hawaii: Mehr Plastik als natürlicher Sand

Das Einzugsgebiet des Great Pacific Garbage Patch erstreckt sich über die ganze Nordpazifische Küste von China, Korea und Japan über Russland und Alaska bis nach Kanada und Kalifornien. Die oberflächlichen Meeresströmungen tragen die ins Wasser gelangenden schwimmenden Objekte in die stillen Zonen der Wirbel, wo das Schwemmgut oft über Jahrzehnte seine Runden dreht und durch Reibung und Lichteinwirkung in immer kleinere Stücke zerfällt.
Inmitten des nördlichen Pazifiks befinden sich die Inseln von Hawaii. Je nach Jahreszeit bewegen sich die Zentren der grossen nordpazifischen Strudelbewegungen aufgrund der herrschenden Winde nach Norden oder Süden. Die Strömungslage führt dazu, dass zeitweise Unmengen von Plastikschwemmgut an exponierte Strände auf Hawaii gespült werden. An gewissen Stränden überwiegt gegenwärtig das Plastik gegenüber dem natürlichen Sand, wie zum Beispiel auf dem als «Plastic Beach» bekannt gewordenen Kamilo Beach an der südwestlichen Spitze von Big Island.

Kanapou Bay, Hawaii, US
Papahanaumokuakea Marine National Monument, Hawaii

 

Auf den Spuren des Plastikschwemmguts

Die grossräumigen dreidimensionalen Strömungssysteme in den Meeren entstehen durch die Erdrotation, Windbewegungen, Druck-, Temperatur- und Salzgehaltunterschiede sowie die Topografie des Meeresgrundes. Aufgrund ihrer Komplexität ist die Erforschung ihrer Verläufe äusserst anspruchsvoll. Verschiedene Forschungszentren entwickeln seit Jahren Methoden und Instrumente zur Vorhersage von Strömungsstärken und Verläufen. Mit dem Global Drifter Programm von NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration, US) wurde 2005 erstmals ein Projekt lanciert, um weltweit systematisch Daten zu verschiedenen ausschlaggebenden Parametern von Strömungsverläufen und Klima zu gewinnen. Satellitenüberwachte schwimmende Spezialbojen senden dabei Daten hinsichtlich ihrer geografischen Position, dem Salzgehalt, Luftdruck, Wassertemperatur etc. zur Auswertung an die Forschungszentren. So können Modelle entwickelt werden, um zum Beispiel die Route von Tsunami-schwemmgut aus Japan zu simulieren oder Felder erwarteter höchster Konzentration von Plastikschwemmgut für überprüfende Expeditionen festzulegen.

Berechnete Ausbreitung des Tsunami-Schwemmguts von Japan nach Hawaii, SCUD-Modell (Surface Currents from Diagnostic) nach Nicolai Maximenko und Jan Hafner.

 

Links:
NOAA Global Drifter Program, US
SCRIPPS Institution of Oceanography, San Diego, US / CA
International Pacific Research Center, Honolulu, US / HI

  • SUCHE
  • KONTAKT
  • PRESSE