Auswirkungen auf die Tierwelt


Auswirkungen auf die Tierwelt
Plastik in Gewässern hat vielerlei Auswirkungen auf die Tierwelt. Plastik ist zum festen Bestandteil des natürlichen Habitats geworden. Einige Tierarten haben gelernt, das Material für sich zu nutzen. Fast immer jedoch sind die Folgen des Zusammentreffens negativ und stellen eine grosse Bedrohung für Einzeltiere, aber auch ganze Ökosysteme dar.

Tod durch Geisternetze
Verloren gegangene Fischernetze und Angelschnüre werden zu tödlichen Fallen für Meerestiere. Fische, Meeressäuger und Schildkröten verheddern sich in den «Geisternetzen» und ersticken oder verhungern. Auch für die Schifffahrt stellen die oft zu gigantischen Klumpen verwickelten Netze eine Gefahr dar, da sie an der Wasseroberfläche nicht sichtbar sind. Durch Kollisionen oder verhedderte Schiffschrauben entstehen der Transport- und Fischereiindustrie jährlich finanzielle Schäden in Millionenhöhe

Plastik als Nahrung
Viele Tiere nehmen Plastik mit ihrer Nahrung auf. Während alle Arten von Plankton fressenden Tieren unabsichtlich Mikroplastik konsumieren, schlucken Vögel und Schildkröten oft gezielt Plastikstücke, weil sie diese mit Nahrung verwechseln. Je nach Form und Funktionsart der Speiseröhren und Mägen der Tiere können die unverdaulichen Stücke nicht mehr ausgeschieden werden, was zu Verhungern mit vollem Magen, Ersticken oder inneren Verletzungen führt. Plankton fressende Organismen nehmen mit ihrem natürlichen Futter auch Mikroplastik auf. Untersuchungen von Wasserproben aus dem Nordpazifik ergaben, dass in der oberen Meerwasserschicht stellenweise 46mal mehr Plastik als Plankton vorkommt.

Hunderte von Tonnen in Vogelmägen
Gemäss Jan van Franeker, Forscher am IMARES Institut, wirken Zugvögel ausserdem als Transformatoren und Transporteure von Plastik: Drei Viertel des Plastiks im Magen eines Eissturmvogels wird zermahlen und an einem anderen Ort wieder ausgeschieden. Der Wissenschaftler schätzt, dass auf diese Weise weltweit hunderte von Tonnen Plastik durch die Vögel umverteilt und zu Mikroplastik verarbeitet werden.
Bild oben rechts: Der Inhalt der kleinen Dose rechts entspricht der durchschnittlichen Menge an Plastik, die ein Eissturmvogel im am stärksten verschmutzten Gebiet an der Nordsee in sich trägt (0.6 Gramm). In der Schale links dieselbe Menge auf das Gewicht eines Menschen ausgerechnet.

Auch Tiere finden Plastik praktisch
Einigen Tier- und Pflanzenarten kommt das neue Material aber auch gelegen: Sie entwickeln neue Einsatzmöglichkeiten von Plastikprodukten. So verwenden Vögel Plastikbänder zum Nestbau und Einsiedlerkrebse Flaschenteile als Gehäuse. Muscheln und Korallen siedeln sich auf Eimern, Röhren und anderen auf Grund gesunkenen Objekten an.

Invasive Arten bedrohen Ökosysteme
Eine besondere Form der neuen Nutzung von Plastik durch Organismen ist das sogenannte «hitch-hiking». Gewisse Algen-, Insekten- und Planktonarten sind für ihre Fortpflanzung auf schwimmendes Material angewiesen, auf dem sie ihre Eier ablegen können. Früher benutzten sie dazu pflanzliche Stoffe, welche nach geringer Zeit zerfielen. Seit schwimmende Plastikteile in grosser Zahl verfügbar sind und von den Strömungen über weite Strecken getragen werden können, dient ihnen das Plastik als Floss und Transportmittel. So gelangen diese Arten über vormals ungekannte Distanzen in neue Lebensräume, wo sie das herrschende ökologische Gleichgewicht teilweise massiv bedrohen.

Links:
IMARES, Plastikmüll in Eissturmvögeln

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