Abfall


Plastik und der schnelle Konsum
Gewisse Produkte aus Kunststoffen weisen ein besonders hohes Abfall-Potenzial auf. Vor allem Verpackungen enden schnell wieder im Abfall. Und wie die Auswertungen von internationalen Sammelaktionen zeigen, gelangen oft Plastikabfälle aus den Bereichen Verpackung und Lebensmittel als Schwemmgut in die Meere. Unter den zehn häufigsten Schwemmgut-Objekten sind Plastikflaschen (11%), Plastiktüten (10%), Lebensmittelverpackungen (9%) Becher, Teller und Besteck (5%).

Die Plastiktüte

Die in den 1960er Jahren eingeführte Plastiktüte aus Polyethylen oder Polypropylen gilt als das Symbol der Konsumgesellschaft. 600 Milliarden Plastiktüten werden weltweit pro Jahr hergestellt, ein europäischer Bürger verwendet jährlich ca. 500 Plastiktüten. Meist werden sie nur einmal eingesetzt, was in starkem Kontrast zu ihrer Langlebigkeit steht. Vor allem die dünnen Plastiksäcke stellen ein gravierendes ökologisches Problem dar. Sie werden leicht vom Wind verweht und haben viele Landstriche in regelrechte Plastiklandschaften verwandelt. Oder sie landen in Gewässern und am Ende im Meer. In einigen Ländern wie Frankreich, Indien oder China sind Plastiktüten inzwischen generell oder in der leichten Version verboten. Ansonsten werden Strategien zur Reduktion über Steuern oder Gebühren, Recycling oder Bioplastik erprobt. Nachhaltigere Alternativen sind Papiertüten, Stofftaschen, Einkaufskörbe oder Kunststofftaschen, die über einen längeren Zeitraum eingesetzt werden.

Heal the Bay, The Majestic Plastic Bag – A Mockumentary, 2010


Verpackungen
Etwa ein Drittel des weltweit produzierten Plastiks wird für Verpackungen eingesetzt. Begründet wird dies vor allem durch Qualitäten wie Konservierung, Transparenz, verminderte Bruchgefahr sowie das geringe Gewicht der Kunststoffverpackungen, das durchschnittlich nur wenige Prozent des Produktgewichts ausmacht. Dies bewirkt eine Einsparung bei den Transportkosten und der CO2-Bilanz, speziell über längere Distanzen. Trotzdem besteht gerade hier eine deutliche Unverhältnismässigkeit zwischen der Langlebigkeit der Produktverpackung von bis zu mehreren hundert Jahren und der Kurzlebigkeit des Produkts.
Verstärkt wird dies noch durch das Selbstbedienungsprinzip des Supermarkts mit möglichst vielen vorverpackten Waren. Der Handel argumentiert in Bezug auf die Verwendung von Plastik mit der aus seiner Sicht vorteilhafteren Ökobilanz des Materials im Vergleich zu anderen Stoffen, aber braucht wirklich jedes Stück Obst oder Gemüse, Käse oder Wurst seine eigene Plastikhülle?

Take away
Das «Design der mobilen Esskultur» ist sichtbarer Ausdruck unserer heutigen Gesellschaft, die stets irgendwohin unterwegs zu sein scheint, und steht ganz im «im Zeichen von Effizienz und Praktikabilität». Angeführt von der omnipräsenten PET-Flasche in handlicher Grösse und Verpackungen für das Essen unterwegs scheint die Kunststoffindustrie hier ein unerschöpfliches Marktfeld gefunden zu haben, das leider auch entscheidend zum Littering beiträgt.
Viele Detailhändler und auch Fast Food-Ketten bemühen sich schon um umweltfreundlichere Alternativen, aber auch individuell lässt sich einiges tun: Mehrweg- oder wiederbefüllbare Flaschen aus unbedenklichen Materialien, Lunchboxen mit selbst zubereitetem Essen statt Fast Food, Picknick oder Party mit umweltfreundlichen Materialien und Gläser statt Plastikbecher.

Links:
Europäische Kommission, Konsultation zur Plastiktüte
Richtlinie 94/62/EG über Verpackungen und Verpackungsabfälle

Ausstellung:
«Oh, Plastik Sack!» Gewerbemuseum Winterthur, 3.6.–7.10.2012

  • SUCHE
  • KONTAKT
  • PRESSE