Kreisläufe


Materialkreisläufe
Überproduktion und Überkonsum führen zu Unmengen von Abfall. Was aber, wenn dieser von Anfang an vermieden oder als neuer Rohstoff verstanden wird? Das Denken in Kreisläufen bietet ganzheitliche Ansätze für Designer, Produzenten und Konsumenten. Gerade im Bereich von Kunststoffen, die auf wertvollem Erdöl basieren, können Materialkreisläufe auch ökonomisch vielversprechend sein.

Ökobilanz/Life Cycle Assessment
Die Ökobilanz – auch Life Cycle Assessment – ist eine Methode, um die Umwelteinwirkungen eines Produkts abzuschätzen. Dabei wird der ganze Lebenslauf eines Produkts betrachtet: «von der Wiege bis zur Bahre». Je nach Fragestellung werden nicht nur ökologische, sondern auch ökonomische und soziale Aspekte eines Produkts oder Unternehmens einbezogen. Das Resultat einer Ökobilanz kann Designern und Produzenten Verbesserungsmöglichkeiten aufzeigen, sodass bereits beim Entwerfen eines Produkts negative Umwelteinwirkungen so weit wie möglich verhindert oder reduziert werden können. Konsumenten kann sie als Entscheidungsgrundlage dienen, um beim Kauf ein «gutes» Produkt von einem «schlechten» zu unterscheiden. Eine gute Ökobilanz kann beispielsweise vorweisen: ein langlebiges, regional produziertes Gebrauchsprodukt, das schadstoffarm und sparsam im Material ist.

Gemäss der ISO Norm 14044 (2006) besteht eine Ökobilanz aus vier Phasen:

Festlegung von Ziel und Untersuchungsrahmen: Fragestellung erarbeiten
Sachbilanz-Phase: Daten sammeln
Wirkungsabschätzung: Kontextualisierung, Einschätzung der Ergebnisse
Auswertung: Schlussfolgerung, Empfehlung, Entscheidungshilfe.

Ökoeffektivität/Cradle to Cradle
Das von dem Architekten William McDonought und dem Designer Michael Braungart erarbeitete Cradle to Cradle-Prinzip leitet sich vom geschlossenen Kreislauf der Natur ab. Produkte sollen so entworfen werden, dass sie nicht zu Abfall, sondern zu Nährstoffen für neue Produkte werden. Um dies zu erreichen, müsste eine konsequente Trennung des biologischen und technischen Kreislaufes stattfinden. Idealerweise sind bei einem Produkt mit unterschiedlichen Materialien die jeweiligen Teile demontierbar und können somit separiert ersetzt oder recycelt werden.
Biologischer Kreislauf: Schnelle Verbrauchsgüter wie etwa Verpackungen oder Putzmittel werden so konzipiert, dass sie sich in den biologischen Kreislauf integrieren lassen. Sie sind schadstofffrei, lassen sich von Mikroorganismen abbauen und dienen nach ihrem Gebrauch als Nährstoff für nachwachsende Rohstoffe.
Technischer Kreislauf: Gebrauchsgüter wie etwa Mobiltelefone werden nicht mehr gekauft, sondern beim Produzenten ausgeliehen. Die Produkte werden nach Gebrauch zurückgebracht, wo diese durch Recycling wieder zu Rohstoff für neue technische Produkte werden. Im Gegensatz zum biologischen Kreislauf können hier, wo unbedingt nötig, auch toxische Materialien zum Einsatz kommen.

Reggs Design, Cradle 2 Cradle, 2010

 

Zero Waste («Null Abfall»)
Zero Waste ist ein visionärer und ganzheitlicher Ansatz, der darauf abzielt, Abfall systematisch zu verhindern. Der Fokus geht weg von einem isolierten Abfallmanagement hin zu einem breiten Set von Massnahmen in den Bereichen Design, Produktion, Konsum und Recycling. Strategisch wichtig sind dabei die Brückenbildung zwischen den jeweiligen Akteuren und eine Regulierung der Verantwortlichkeiten.
Ebenfalls hinterfragt wird das unbedachte Konsumverhalten unserer Wegwerfkultur. Ein auf lange Sicht umweltverträglicher Konsum ist nur über gesamtgesellschaftliche Verhaltensänderung und teilweise auch Verzicht möglich. Der Aufruf an den Verbraucher lautet: reduce, reuse, repair (reduzieren, wiederverwenden, reparieren)! Für den Designer gilt: rethink, redesign (umdenken, neu gestalten)!

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