Biokunststoff


Biokunststoffe als Variante
Seit den 1980er Jahren werden Biokunststoffe als Variante zu konventionellen Kunststoffen vermehrt diskutiert und produziert. Stand lange Zeit vor allem der ökologische Aspekt der Bioabbaubarkeit im Zentrum, so spielen heute ökonomische Argumente eine wichtige Rolle. Mit dem steigenden Erdölpreis werden biobasierte Kunststoffe für die Kunststoffindustrie zunehmend interessant.
Allerdings sind «bioabbaubar» und «biobasiert» nicht gleichzusetzen. Zwar spricht man in beiden Fällen etwas ungenau von Biokunststoffen, doch bezeichnen die beiden Begriffe zwei sehr unterschiedliche Eigenschaften, die in Kombination miteinander, aber auch einzeln auftreten können.

Bioabbaubare Kunststoffe
Bioabbaubar ist ein Kunststoff dann, wenn er durch Mikroorganismen oder Enzyme in die Elemente Wasser, Kohlendioxid, Methan und Biomasse zersetzt werden kann. Die Bioabbaubarkeit hängt nicht mit dem Rohstoff zusammen, auf dem ein Kunststoff basiert, sondern mit der Struktur des Werkstoffes. Es gibt auch erdölbasierte Kunststoffe, die biologisch abbaubar sind.
Die biologische Abbaubarkeit wird in Europa mit dem Keimling zertifiziert. Ein mit dem Keimling gekennzeichnetes Produkt erfüllt die Anforderungen der europäischen Norm für biologisch abbaubare Kunststoffe (EN 13432). Hierzu darf bei einer Kompostierung nach 3 Monaten maximal 10% der Originalmasse zurückbleiben. Diese Richtlinie gilt allerdings für industrielle Kompostieranlagen. Auf dem Heimkompost ist von einer wesentlich längeren Abbauzeit auszugehen.

Biobasierte Kunststoffe
Biobasiert ist ein Kunststoff, der aus einem nachwachsenden (pflanzlichen) Rohstoff gewonnen wird. Biobasierter Kunststoff kann beispielsweise aus Stärke, Zellulose, Zucker, pflanzlichen Ölen, Lignin und Proteinen hergestellt werden. Gewonnen werden diese Grundbausteine etwa aus Mais, Holz, Zucker und Kartoffeln.
Biobasierte Kunststoffe werden durchaus kritisch beurteilt. Die Kritik lautet gleich wie bei den Biotreibstoffen: «Volle Tanks – leere Teller», fallen so doch Anbauflächen für die Nahrungsmittelproduktion weg. Genauso diskutiert wird die Frage, ob biobasierte Kunststoffe tatsächlich ökologischer sind als erdölbasierte. Denn in Anbetracht des gesamten Life Cycles eines solchen Kunstsoffs – vom Pflanzen über das Giessen bis hin zu Ernte, Produktion und Transport – schneiden biologische Kunststoffe nicht unbedingt besser ab.

«Bio» als Marketingstrategie
Zu bedenken ist auch, dass viele Produzenten heute auf «Bio» umstellen, weil sich ökologische Nachhaltigkeit gut verkauft. Nicht immer halten die Produkte aber, was sie versprechen. So ist etwa eine PLA-Wasserflasche (aus Polymilchsäure) in der Praxis kaum kompostierbar - und wenn sie versehentlich in der PET-Sammelstelle endet, kann sie dort den Materialkreislauf verunreinigen. Hinzu kommt, dass Bioplastik die falsche Botschaft vermittelt, dass hier bedenkenlos konsumiert werden darf.
Der tatsächliche Nutzen von Biokunststoffen ist daher umstritten. In Ländern, wo es kaum ein Abfallmanagement gibt und viel Plastik in die Meere gelangt, können sie eine Alternative darstellen. Sinn kann ihr Einsatz auch im Bereich der Landwirtschaft machen. Dabei gilt aber immer, dass die Biokunststoffe wenn möglich aus pflanzlichen Restprodukten gefertigt werden, die dem Menschen nicht als Nahrung dienen.

Links:
Datenbank Biokunststoffe, Fachhochschule Hannover, DE
Din Certco, DE  (EN 13432)
Sarah Mosko, «Bioplastics: Are they the solution?». In: Algalita Marine Research Blog

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