Die Meinung vom Experten


Müllkippe Meer – eine gesellschaftliche Herausforderung


Kim Detloff, NABU, 2012

Müll im Meer ist ein globales Phänomen. Die Ursachen und Folgen sind vielfältig und noch unzureichend untersucht. Fest steht, dass besonders viel Müll vom Land ins Meer gelangt. Wenn wir Abfälle vermeiden und wiederverwerten, können wir gleichzeitig viel für die Meere tun. Die Politik muss hierfür den Rahmen setzen, indem sie die Umwelt- und Abfallwirtschaftsgesetze verbessert. Behörden müssen dafür sorgen, dass diese Gesetze eingehalten werden. Unternehmen haben eine besondere Verantwortung, weil sie Konsumentscheidungen direkt beeinflussen können. Kriterien wie die Ressourcenschonung, Langlebigkeit und die Wiederverwendung von Produkten müssen feste Bestandteile der Produktentwicklung sein. Mit dem Kauf von ökologischen, regionalen und langlebigen Produkten kann jeder Einzelne die Meere schützen.

Strategien und Initiativen für den Meeresschutz
Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) hat mehrere Studien zur Belastung der Ozeane durch Abfälle veröffentlicht und unterstützt regionale Projekte. Auf ihre Einladung hin diskutierten im Frühjahr 2011 auf der «5th International Marine Debris Conference» auf Hawaii mehr als 400 Teilnehmer neue wissenschaftliche Erkenntnisse und Initiativen zum Thema Müll im Meer. Die «Honolulu-Strategie» soll die Vermüllung der Ozeane bis 2030 stoppen. Die Teilnehmer forderten hierzu eine stärkere internationale Zusammenarbeit.  
Auch in Europas Meeren wird Müll im Meer zunehmend zum Problem. In der EU-Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie, die im Juli 2008 in Kraft trat, berücksichtigt die EU-Umweltgesetzgebung erstmalig auch die Belastung der Gewässer durch Abfälle. Die Richtlinie hat das Ziel, bis zum Jahr 2020 einen «guten Umweltzustand» der europäischen Meere zu erreichen. Um dieses Ziel zu erreichen verpflichtet sie die Mitgliedsstaaten, Maßnahmen zu ergreifen, damit Abfälle künftig «keine schädlichen Auswirkungen auf die Küsten- und Meeresumwelt» haben. Bis zur Umsetzung der ersten Maßnahmen im Jahr 2015 sollen vor allem das Wissen über den Meeresmüll und seinen Weg im marinen Nahrungsnetz erweitert werden, um  daraus Monitoring-Standards zu entwickeln.

Regionale Lösungen:
Das NABU-Projekt «Meere ohne Plastik»

Im Sommer 2010 startete der Naturschutzbund Deutschland (NABU) das Projekt «Meere ohne Plastik». Mit Informationsveranstaltungen, Reinigungs- und Monitoring-Aktionen kämpft er seitdem gegen die Müllflut in den Meeren. Im Zentrum steht das Projekt «Fishing for Litter», das erstmalig in Deutschland umgesetzt wird. Mehr als 30 Fischer aus den Ostseehäfen Heiligenhafen, Burgstaaken auf Fehmarn und Sassnitz auf Rügen bringen dabei Abfälle, die sich in ihren Netzen verfangen, in den Hafen, wo eine kostenlose Abfallentsorgung bereitsteht. Die Abfälle liefern wichtige Daten zur Müllbelastung der Ostsee. In einer gemeinsamen Studie mit dem Grünen Punkt – Duales System Deutschland GmbH untersucht der NABU die Zusammensetzung der Abfälle und prüft, in wieweit diese wiederverwertbar sind. Dahinter steht die Frage, ob Müll aus dem Meer zukünftig in den Stoffkreislauf zurückgeführt werden kann.
 
Müll sammeln, Strände säubern
Reinigungsaktionen helfen, die Meere von gefährlichen Abfällen zu befreien. Gleichzeitig liefern sie wichtige Daten zur Müllbelastung. Weltweit organisieren Umweltverbände Sammelaktionen. Die wohl bekannteste Initiative ist der «International Coastal Cleanup Day» der US-Organisation Ocean Conservancy. Im Jahr 2010 jährte sich dieser zum 25. Mal. Mehr als 500.000 Menschen sammelten in über 100 Ländern mehr als 3.300 Tonnen Müll. An der Aktion beteiligen sich jedes Jahr auch viele NABU-Aktive an Nord- und Ostsee.

Recycling und innovatives Produktdesign
Die Meere von allen Abfällen zu befreien, scheint unmöglich. Abfallvermeidung ist daher der wichtigste Ansatz für den Schutz der Meere vor Plastikmüll. Bereits das Produktdesign stellt wesentliche Weichen für die Umweltverträglichkeit. Langlebige, schadstofffreie und wiederverwertbare Produkte schützen die Umwelt. Wenn Abfälle im Meer enden, verlieren wir außerdem Rohstoffe für neue Produkte. Effektive Erfassungssysteme und ein Recycling, das alle Abfälle einschließt, können so einen wertvollen Beitrag für den Meeresschutz leisten und schützen gleichzeitig wertvolle endliche Ressourcen.

Jeder Einzelne kann helfen
Jeder Einzelne kann helfen, die Meere vor den gefährlichen Folgen von Plastikabfällen zu bewahren. Meeresschutz fängt schon beim eigenen Konsumverhalten zu Hause an.

- Werfen Sie Müll nie achtlos weg, sondern stets in den Mülleimer. Jede verwehte Tüte und jede Plastikflasche kann über Flüsse oder die Kanalisation im Meer landen.

- Bevorzugen Sie langlebige Produkte und Mehrwegsysteme wie Pfandflaschen aus Glas.Trennen Sie Glas, Papier, Kunststoffe und andere Wertstoffe vom Restmüll. Damit ermöglichen Sie deren Wiederverwertung.

- Verzichten Sie auf Plastiktüten und nutzen stattdessen Stofftaschen oder den Rucksack für die eigenen Einkäufe.

- Beteiligen Sie sich an Reinigungsaktionen und unterstützen die Projekte von Umweltverbänden.


Weitere Informationen auf www.NABU.de/plastikmuell

Dr. Kim Cornelius Detloff ist Meeresbiologe und arbeitet als Referent für Meeresschutz beim NABU, dem Naturschutzbund Deutschland e.V. Nach dem Studium an der Universität Hamburg verbrachte er mehrere Jahre als Wissenschaftler und Privatdozent am Institut für Marine Biologie auf der italienischen Insel Giglio. Von 2006 bis 2008 war er als Campaigner beim Internationalen Tierschutz-Fonds (IFAW) beschäftigt. Nach einem Jahr als politisch-wissenschaftlicher Berater bei der Bonner Konvention (CMS) arbeitet er heute in der Bundesgeschäftsstelle des NABU in Berlin.

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